Neue Software für das Universitäre Tierspital Zürich

Im Universitären Tierspital Zürich (UTZ) wird eine integrierte Software-Lösung für die medizinische Dokumentation sowie für die Abrechnung unter Berücksichtigung der heute gültigen Tarifwerke eingesetzt. Das derzeit im Einsatz stehende System «Vetera» stammte von Vetera GmbH. Die ursprüngliche Praxis-Software für Tierärzte und Tierkliniken wurde an die Bedürfnisse des Tierspitals Zürich adaptiert.

Im Jahr 2022 wurde die deutsche Vetera GmbH von Nordhealth AS aus Finnland übernommen. Das Produkt «Vetera» wurde abgekündigt und die Weiterentwicklung eingestellt. Der Support durch das Team der Vetera GmbH bleibt weiterhin gewährleistet. Mittelfristig jedoch muss das System abgelöst werden.

Marktbetrachtung
Der Markt von Softwarelösungen für Tierspitäler ist in Europa sehr überschaubar. Meistens werden Softwarelösungen eingesetzt, welche üblicherweise in Tierarztpraxen oder kleineren bis mittleren Tierkliniken verwendet werden. Diese Applikationen sind zwar modern (Cloud-Lösungen, Usability), können aber die Ansprüche eines universitären Spitals hinsichtlich Abbildung der Organisation (Kliniken und Fachbereiche verbunden mit entsprechendem Berechtigungssystem), Historisierung von Dokumentationen und Tarifen, Performance und Stabilität, Skalierbarkeit sowie Datenauswertung (für Forschungszwecke) bei weitem nicht erfüllen.

Viele Tierspitäler im deutschsprachigen Raum stehen vor einer ähnlichen Situation wie das Tierspital Zürich. Die Tierkliniken stehen in regem Informationsaustausch hinsichtlich praktikabler Lösungsansätze, doch fehlt bisher der entscheidende Durchbruch.

Prozessanalyse
Um die Anforderungen an ein Nachfolgesystem definieren zu können, wurde im Jahr 2023 vorab eine Prozessanalyse durchgeführt. Daraus resultierte die Identifikation von ca. 80 Grobprozessen mit rund 450 Detailprozessen/ Aktionen, welche durch die Software unterstützt werden. Diese Arbeit diente als Basis für die funktionalen Anforderungen an die künftige Software. Sehr rasch zeigten sich in den Abläufen (Behandlungsprozesse) Ähnlichkeiten zu jenen in einem Humanspital. Deshalb sind die für ein Tierspital geforderten Softwarefunktionen zur Unterstützung der Prozesse weitestgehend vergleichbar mit Software für Humanspitäler. Es lassen sich die folgenden wesentlichen funktionalen Bereiche erkennen:

• Administrativer Bereich/ Management
– Patientenmanagement, Leistungen und Abrechnung
– Logistik (Apotheke mit Medikamentenverwaltung, Materialwirtschaft)
– Betriebswirtschaft (Finanz-/ Betriebsbuchhaltung, Controlling)

• Disposition – Termindisposition – Boxen- und Platzdisposition

• Medizinische Dokumentation («Patientenakte»)

Applikatorisch ist jedoch ein grundsätzlicher Unterschied auszumachen: Die Applikationen in Tierkliniken weisen eine starke Besitzer-/ Halter-Orientierung auf, während jene im Humanspital eine Patienten-/ FallOrientierung aufweisen.

Marktöffnung durch Neu-Orientierung?
Die Erkenntnis der Vergleichbarkeit von applikatorischen Lösungsansätzen über die wesentlichen Funktionsbereiche mit einem Humanspital sowie die Bereitschaft zur Umorientierung von Besitzer-/ Halterorientierung zu einer Patienten-/ Fallorientierung verspricht eine gewisse Markterweiterung im Software-Markt für Tierspitäler. Aus diesem Grund wurde das Softwarekonzept neu gedacht und in die oben erwähnten Bereiche aufgeteilt (s. Abbildung auf Seite 19). Im Vorfeld der Ausschreibung wurden Abklärungen bei Applikationsanbietern aus dem Software-Markt für Humanspitäler getätigt, mit Hinweisen zu den funktionalen Unterscheidungen. Tatsächlich zeigten sich einzelne Anbieter bereit, bei einer öffentlichen Ausschreibung die Unterlagen und das Einreichen eines Angebots zu prüfen.

Ausschreibung und Evaluation
Die Ausschreibung erfolgte schliesslich in vier Losen (medizinische Dokumentation, ERP, Termindisposition sowie Boxen-/ Platzdisposition). Dabei wurden Anbieter für Softwarelösungen für Human-Spitäler ausdrücklich zugelassen. Schliesslich gingen zwei Angebote ein, welche funktional alle vier Lose abdeckten. In der Evaluation wurden primär die Grobfunktionen geprüft. Das Tierspital sieht grosse Chancen, mit den vorliegenden Angeboten sowie der Realisierung von entsprechenden Schnittstellen die bestehende Software ablösen zu können. Die Realisierung des grossen und komplexen Vorhabens wurde bei der Universitätsleitung und dem Universitätsrat beantragt, welche die Umsetzung bewilligten. Gegenwärtig befindet sich das Umsetzungsprojekt in der Initialisierungsphase.

Vorsitzende der Geschäftsleitung:
Finanzdirektorin Beatrice Gasser und Ärztlicher
Direktor Jean-Michel Hatt

«Die professionelle und engagierte Beratung in Kombination
mit der profunden Erfahrung aus dem Bereich der Humanspitäler, hat dem universitären Tierspital geholfen, die öffentliche Ausschreibung erfolgreich durchzuführen.»

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