Der Fachkräftemangel stellt das Gesundheitswesen vor grosse Herausforderungen. Spitäler und Kliniken stehen im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeitende und müssen neue Wege finden, um diese langfristig zu binden. Um Trends und wirksame Ansätze im Retention Management zu identifizieren, führte die Keller Unternehmensberatung AG im Auftrag der Suva-Kliniken zwischen Mai und Juli 2025 eine Marktstudie mit ausgewählten Gesundheitsorganisationen durch. Die Befragung beleuchtete aktuelle HR-Instrumente, Führungskultur und die Attraktivität als Arbeitgeberin. Ziel war es, die Wirksamkeit bestehender HR-Instrumente zu prüfen und Optimierungspotenziale zu erkennen.
Kernaussagen der Studie
Flexibilität ist Trumpf: Modelle, welche die individuellen Lebenssituationen der Mitarbeitenden berücksichtigen, steigern die Arbeitgeberattraktivität.
Führung wirkt als Bindungstreiber: Ein gelebtes Führungsverständnis und die Entwicklung der Führungskräfte sind zentrale Erfolgsfaktoren.
Gesundheitsförderung als strategisches Element: Betriebe, die Gesundheit institutionalisieren, positionieren sich erfolgreicher im Wettbewerb.
Digitalisierung mit Potenzial: Digitale Tools zur Dienstplanung und Kommunikation werden künftig entscheidend sein.
Zentrale Resultate
Die Studie zeigt, dass die Betriebe bereits auf bewährte HR-Massnahmen wie flexible Arbeitszeitmodelle, Beteiligung der Mitarbeitenden oder Gesundheitsförderung setzen und eine offene Fehlerkultur haben. Besonders verbreitet ist die frühzeitige Dienstplanung mit Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse – ein entscheidender Faktor für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Nahezu alle Betriebe setzen auf flexible Arbeitszeitmodelle: Teilzeit, Job- und Top-Sharing, Wunschdienste oder Sabbaticals. In der Pflege dominieren Zwei- und Drei-Schicht-Systeme, während bei der Ärzteschaft das 42+4-Modell sowie Vertrauensarbeitszeit zunehmend an Bedeutung gewinnen. Alle der befragten Betriebe ermöglichen Teilzeitpensen auch in Führungspositionen. Individuelle Wünsche bei der Dienstplanung und eine frühzeitige Kommunikation fördern die Work-LifeBalance – ein klarer Wettbewerbsvorteil im Rekrutierungsmarkt.
Homeoffice ist fast ausschliesslich im administrativen Bereich etabliert. Die Betriebe fördern das Modell aktiv, zeigen aber dennoch Vorbehalte. In klinisch-pflegerischen Funktionen bleibt Präsenzarbeit die Regel.
Die meisten Betriebe haben die Gesundheitsförderung fest in ihrer Strategie verankert. Angebote wie Sportkurse, Achtsamkeitstrainings oder ergonomische Arbeitsplatzberatung werden zunehmend institutionalisiert. Gesunde Mitarbeitende sind die Basis für eine nachhaltige Arbeitgeberattraktivität.
Die Studie zeigt Handlungsbedarf im Führungsverständnis. Nur zwei Organisationen sensibilisieren neue Führungskräfte im Rahmen des Onboardings, wiederkehrende Schulungen sind selten. Dennoch fördern alle eine offene Kommunikations- und Fehlerkultur, was Vertrauen und Lernbereitschaft stärkt.
Alle Betriebe setzen auf regelmässige Mitarbeiterbefragungen oder Stimmungsbarometer. Ideenplattformen, Projektgruppen oder Teammeetings fördern den Dialog von unten nach oben. Bottom-up-Kommunikation hat sich als zentraler Erfolgsfaktor etabliert, um Identifikation und Motivation zu stärken.
Während alle Betriebe Fortbildungsangebote bieten, fehlen oft strukturierte Laufbahnmodelle oder Talentprogramme. Nur wenige Organisationen fördern gezielt Karrierepfade oder setzen Coaching- und Mentoring Instrumente systematisch ein. Nur ein Drittel der befragten Betriebe verfügt über klar definierte Laufbahnmodelle.
Fazit
Die Studie verdeutlicht, dass viele Gesundheitsinstitutionen auf einem guten Weg sind mit klaren Konzepten zur Flexibilisierung und Gesundheitsförderung. Die nächsten Schritte liegen in der Verankerung von Führung, Kultur und Talententwicklung als zentrale Pfeiler einer nachhaltig attraktiven Arbeitgeberin. Retention Management ist kein Projekt, sondern eine Haltung. Die Keller Unternehmensberatung AG begleitet Organisationen auf diesem Weg, mit massgeschneiderten Analysen, praxisnahen Konzepten und einem klaren Ziel: Fachkräfte nicht nur gewinnen, sondern langfristig begeistern.

Dr. Gianni Roberto Rossi, Suva-Kliniken
«Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass wir unsere HR-Schwerpunkte in
den Suva Kliniken noch stärker auf Flexi-bilisierung, Führungskompetenz und
gezielte Talententwicklung legen müssen.
Der Wettbewerb um Fachkräfte bleibt
hart. Deshalb braucht es attraktive Arbeits-modelle, gesunde Arbeitsbedingungen
und eine Kultur, die Mitarbeitende langfristig bindet. Der Vergleich mit anderen Kliniken bestätigt unser Potenzial, gleichzeitig
fordert er uns heraus, konsequent weiterzugehen. Wir investieren deshalb in Massnahmen, die Motivation, Identifikation und Entwicklung unserer Mitarbeitenden
in den Mittelpunkt stellen.»