Im Kanton Solothurn bestehen Lücken in der spezialisierten Palliativversorgung, sodass die flächendeckende Begleitung, Betreuung und Pflege schwer kranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen zu Hause nicht gewährleistet ist. Die derzeitigen Versorgungsstrukturen reichen nicht aus, um diesen weiter steigenden Bedarf zu decken.
Das Hauptziel des mobilen Palliativdienstes ist die Verbesserung der Palliativversorgung durch die Bereitstellung eines spezialisierten Dienstes, der direkt zu den Patientinnen und Patienten nach Hause kommt. Dies soll (Notfall-) Hospitalisierungen reduzieren und den Betroffenen ermöglichen, die letzte Lebensphase in vertrauter Umgebung mit entsprechender Lebensqualität zu verbringen.
Die Keller Unternehmensberatung AG durfte im Auftrag und zusammen mit dem Verein palliative.so ein Vorprojekt zu einem mobilen Palliativdienst (MPD) begleiten. In diesem wurden mögliche Varianten zur Erbringung mobiler, spezialisierter Palliative Care Leistungen geprüft. Dabei wurde zwischen einem mobilen Palliativdienst und einem mobilen Palliativ-Konsiliardienst unterschieden. Beide Varianten wurden hinsichtlich ihrer Machbarkeit, Kosten, Effektivität und Akzeptanz bewertet. Auf Basis der durchgeführten Analysen wird die Implementierung eines mobilen Palliativdienstes (MPD) empfohlen, da in dieser Variante der ärztliche Ressourcenbedarf geringer ist.
Für die organisatorische Eingliederung des MPDs wurden ebenfalls verschiedene Varianten einander gegenübergestellt. Um im ärztlichen Bereich maximale Durchgängigkeit und minimalen Ressourcenbedarf sicherstellen zu können, wie auch in der Dokumentation Medienbrüche zu vermeiden, ist eine Angliederung am Spital die praktikabelste Lösung. Bei allen anderen geprüften Varianten ist der fehlende oder reduzierte Bezug zu den Ärztinnen und Ärzten mit Schwerpunkt in Palliativ-Medizin nachteilig. Die Konzentration in möglichst einer Organisation wird empfohlen, um Qualitätsanforderungen (gemäss Empfehlungen von qualité palliative) wie auch einen Mindeststellenetat inklusive Stellvertretungen von Personal mit Spezialisierung in Palliative Care auch mit weiter steigendem Bedarf garantieren zu können, was auch den schweizerischen Kennzahlen anderer Kantone entspricht. Der MPD agiert dabei subsidiär und in individueller Ergänzung zu den lokalen Spitex-Organisationen und Heimen.
Zur Ableitung der Leistungen des MPD wurden Vergleiche mit ähnlichen Organisationen in anderen Kantonen gezogen. Differenziert werden muss zwischen Leistungen in der direkten Patientenversorgung, welche über bestehende Tarifwerke (OKP/KLV) abgerechnet werden können, und Leistungen für Grundversorgende, Angehörige und im Bereich der Koordination, wozu es keine Tarife gibt. Aufgrund des benötigten, spezialisierten Personals und des grösseren Einsatzbereiches (versorgungsregionenübergreifend) empfiehlt sich, auch im KLV-Bereich eine separate Tarifierung und für die übrigen Leistungen eine kantonale Finanzierung mittels Leistungsauftrag, abgestimmt auf den Bedarf und dessen Entwicklung, zu definieren. Schlussendlich dient der MPD der Reduktion von Hospitalisationen, welche rund dreimal teurer sind als ambulante Behandlungen.

Cornelia Mackuth-Wicki,
Leiterin Koordinations- und Geschäftsstelle Palliative Care Kanton Solothurn
«Unterschiedliche Gegebenheiten in den Versorgungsregionen entscheiden heute darüber, ob schwerstkranke Menschen daheim sein können oder (notfallmässig) im Spital verweilen müssen. Diesen Umstand wollen wir vom Verein palliative.so ändern: Die Betroffenen sollen daheim sterben dürfen,wenn sie dieswünschen, fachlich kompetent begleitet und erst noch kostengünstiger. Ein spezialisierter Dienst unterstützt die Fachpersonen vor Ort und bringt mit kleinstmöglichem Aufwand grosse Wirkung.»
