Die Vergütung von Kaderärztinnen und -ärzten ist in der Schweiz ein sensibles Thema und seit Jahren im Umbruch. Viele Spitäler setzen auf eine Kombination von fixen und variablen Lohnbestandteilen. Während fixe Löhne Stabilität und Planbarkeit bieten, sollen variable Anteile Leistung, Qualität und unternehmerisches Denken fördern. Herausfordernd ist dabei stets, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Transparenz, Akzeptanz bei den Kaderärzten sowie den finanziellen Rahmenbedingungen der Institution.
Spitäler stehen unter zunehmendem Druck. Steigende Kosten, Fachkräftemangel, aber auch der Anspruch, als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Zeitgemässe Vergütungsmodelle müssen daher die Interessen der Institution mit den Erwartungen der Kaderärzte verbinden. Das SVAR hat diese Herausforderung angenommen und gemeinsam mit der Keller Unternehmensberatung AG ein neues Kaderarztvergütungsmodell erarbeitet. Im Gespräch mit dem CEO des SVAR, Patrick Gressbach, beleuchten wir die Hintergründe.
Interview mit Patrick Gressbach, CEO SVAR

Was war der Auslöser, das bestehende Kaderarztvergütungsmodell zu überarbeiten?
Wir haben gemerkt, dass das bisherige Modell nicht sehr zeitgemäss war. Zudem hat das Malus-System eher zu Demotivation beigetragen, anstatt Leistungen zu fördern. Es war uns wichtig, ein Modell zu entwickeln, das Transparenz schafft, die Zufriedenheit steigert und gleichzeitig die betriebs- wirtschaftlichen Ziele des SVARs unterstützt.
Was war die besondere Herausforderung bei der Erarbeitung des neuen Modells?
Die unterschiedlichen Erwartungen der Kaderärzte abzuholen und sie aktiv ins Boot zu holen. Nur wenn alle Perspektiven berücksichtigt werden, kann ein tragfähiges und akzeptiertes Modell entstehen. Zudem hatten wir das Ziel, keine Chefärzte zu verlieren und die finanzielle Tragbarkeit zu gewährleisten. Der Benchmark und die externe Sichtweise, vor allem auch am Anfang des Prozesses, haben dabei geholfen, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen und die Akzeptanz zu steigern.
Warum spricht man nur vom Kaderarztvergütungsmodell – wie sieht es mit den übrigen GL-Mitgliedern aus?
Im Projekt wurde rasch klar, dass ein einheitliches Modell Sinn macht. Deshalb gilt das neue Vergütungsmodell nicht nur für die Kaderärzte, sondern auch für die gesamte Geschäftsleitung.
Wie sieht das neue Modell konkret aus?
Wir haben das Malus-System abgeschafft. Neu setzt sich das Gehalt aus dem Grundgehalt und einem individuellen Fixum zusammen. Die variable Entlöhnung für nichtärztliche GL-Mitglieder setzt sich zusammen aus dem bestehenden 100 %-Fixgehalt und einer zusätzlichen maximalen variablen Entlöhnung bei Erreichung der Jahresziele von CHF 20’000.00. Die variable Entlöhnung der Chefärzte setzt sich aus 100 %-Fixgehalt und einer zusätzlichen max. variablen Entlöhnung von CHF 20’000.00, bei Erreichung der Jahresziele zusammen. Zudem wurde ein Bonusreglement eingeführt, von dem sowohl die GL-Mitglieder als auch die Chefärzte profitieren. Die Boni sind an die positiven EBITDA-Zielwerte des Spitals geknüpft.
Welches Fazit ziehen Sie aus diesem Prozess?
Die Zufriedenheit bei den Kaderärzten konnte deutlich gesteigert werden. Gleichzeitig stärkt das neue Modell den betriebswirtschaftlichen Gedanken und unterstützt uns darin, als attraktiver Arbeitgeber im Markt aufzutreten.